Immer mehr Schweizer und Schweizerinnen sind einsam

Immer mehr Schweizer und Schweizerinnen fühlen sich einsam. Einsamkeit macht krank. Einsamkeit verändert sogar das Gehirn. Neue Dinge lernen, Sport, mit jemandem plaudern. Solche Dinge helfen gegen Einsamkeit.

Seit 17 Jahren gibt es jedes Jahr mehr einsame Menschen.
Das sind vor allem:

  • Junge Menschen
  • Ältere Menschen
  • Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Menschen mit wenig Geld
  • Frauen

Junge Menschen müssen ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Ältere Menschen arbeiten nicht mehr.
Deshalb haben sie wenig Kontakt.
Ältere Menschen verlieren Bekannte und Freunde.
Sie sind vielleicht gestorben.

Viele Menschen mit Beeinträchtigung leben allein in einem Haushalt.
Deshalb sind sie oft einsamer als andere.

Ist «einsam» dasselbe wie «allein»?

Einsam ist nicht das Gleiche wie allein sein.
Allein sein heisst: ohne andere Menschen sein.
Viele Menschen sind allein.

Manche Menschen sind gerne allein.
Sie sind nicht einsam.

Einsam sein ist ein schlechtes Gefühl.
Deshalb sind manche Menschen traurig.
Diese Menschen sind einsam.

Ich fühle mich einsam.
Muss ich mich schämen?

Vielleicht fühle ich mich einsam.
Ich muss mich dafür nicht schämen.
Aber viele einsame Menschen schämen sich.
Warum?
Warum ist uns Einsamkeit peinlich?
Udo Rauchfleisch ist ein Experte.
Er ist Psycho·therapeut.
Udo Rauchfleisch hört seinen Patienten und Patientinnen gut zu.
Er hat viele einsame Patienten.
Er sagt:
«Wir Menschen möchten alle dazugehören.
Einsamkeit ist ein Gefühl von:

  • Ich gehöre nicht dazu.
  • Niemand sieht mich.
  • Niemand interessiert sich für mich.

Das verletzt unser Selbst·wert·gefühl.»
Niemand will das.
Deshalb gehen wir dann weniger raus.
Das macht aber alles noch schlimmer.
Wir sind dann noch einsamer.»

Wir nennen das Teufels·kreis.

Einsamkeit verändert das Gehirn

Udo Rauchfleisch sagt auch:
«Fühlen wir uns sehr lange einsam?
Dann verändert das unsere Wahr·nehmung.
Wir benutzen einen Teil im Gehirn für Signale und Gefühle.
Die Einsamkeit verändert das.
Wir können andere Menschen weniger gut einschätzen.
Wir sehen einer Person ins Gesicht.
Die Person zeigt kein besonderes Gefühl.
Wir denken aber, die Person ist böse auf uns.
Sie mag uns nicht.
Das ist aber falsch.
Die Person denkt das gar nicht.
Es ist nur unser Gefühl.»

Einsamkeit macht krank

Einsame Menschen sind häufiger krank.
Ihre Krankheiten betreffen:

  • das Herz
  • die Blut·gefässe
  • Depressionen
  • Angst·gefühle
  • Schlaf·störungen
  • Rücken·schmerzen

Einsame Menschen gehen häufiger zum Arzt.

Auch junge Menschen sind betroffen
Seit ein paar Jahren leiden viele junge Menschen an Einsamkeit.
Sie sind zwischen 15 und 34 Jahre alt.
Fachpersonen vermuten: Das hat vielleicht auch mit Corona zu tun.
Seit dem Lockdown haben einige Jugendliche nur noch Online-Kontakte.

Aber Corona ist nicht schuld an der Einsamkeit.
Auch die Digitalisierung ist nicht schuld.
Aber Corona und die Digitalisierung haben etwas verändert.
Wir verhalten uns anders.
Wir haben weniger echten Kontakte mit Menschen:

  • Einige Menschen machen Home·office.
    Sie reden vielleicht den ganzen Tag mit niemandem.
  • Das Bus-Ticket lösen wir mit einer App.
    Wir haben also wieder keinen Kontakt.
  • Und im Zug?
    Viele sitzen allein in einem Abteil.
    Sie tragen Kopf·hörer und wollen keinen Kontakt.

In den USA hat man heraus·gefunden:
Sogar Kinder schliessen weniger Freund·schaften als früher.
Den Kindern fehlen die Gelegen·heiten.
Die Kinder müssen lernen, Freunde zu finden.

Textnachrichten sind gut.
Sie ersetzen aber keine richtigen Kontakte.

Was können wir gegen Einsamkeit tun?

Im Piktogramm tanzt ein Männchen. Daneben ist eine doppelte Note.

Neues Lernen

Ein Hobby anfangen.
Einen Kurs besuchen.
Den Sport von früher wieder machen.
Bewegung aktiviert Glücks·gefühle.
Das alles hilft.
Sogar wenn man etwas allein zu Hause tut.

Pro Infirmis hat einen Bildungs·klub.
Dort kannst Du Neues lernen.
Du kannst auch Menschen kennen·lernen.
Das Angebot findest Du hier: Bildungsklub

Auch Procap bietet viele Freizeit·aktivitäten.
Zum Beispiel barriere·frei tanzen und Party machen:
Procap Sport und Freizeit

Piktogramm von einem Telefonhörer. Lautwellen gehen vom Hörer weg.

Projekt «mal·reden»

Der Berner Verein Silberfuchs bietet Telefon·gespräche an.
Silberfuchs organisiert auch Gesprächs·tandems.
Im Tandem kannst Du immer wieder mit der gleichen Person plaudern.
Das ist vor allem für chronisch einsame Menschen.
Für sie ist das der erste Schritt aus der Einsamkeit.

An einem gedeckten Tisch stehen zwei Stühle. Sie sind leer. Über dem Tisch hängt eine Schirmlampe.

Tavolata

Mit Familie und Freunden essen.
Das gibt Halt.
Es schützt unsere Gesundheit.
So können wir den Kontakt halten.
Das ist gesund für Kinder und für Erwachsene.

Hier findest du Adressen: Tavolata

Vier Männchen stehen in einer Reihe nebeneinander. Linst zuerst eine Frau, dann ein Mann, wieder eine Frau und wieder ein Mann. Sie halten sich an den Händen.ine Frau und wieder ein Mann.

Soli Bern

Das ist eine Internet·plattform.
Die Plattform ist für Jugendliche und junge Erwachsene.
Dort gibt es:

  • Hilfsangebote
  • Informationen
  • Selbsthilfe·gruppen

Eine Bernerin hat die Plattform gegründet:
Plattform Soli Bern

Zwei Sprechblasen.

Orte zum Plaudern

Vielleicht hast Du schon von der Plauder·kasse gehört?
In einer Migros·filiale in Basel kannst Du an der Plauder·kasse bezahlen.
An der Plauder·kasse hat die Kassierin oder der Kassier Zeit zum Plaudern.
Auch eine Apotheke in Basel macht bei dem Projekt mit.
Die Plauder·kassen sind beliebt.
Deshalb gibt die Gesundheits·förderung Schweiz Geld an das Projekt.
Bald sehen wir mehr Plauder·kassen.

In einigen grossen Städten gibt es Plauder·bänke.
Die Plauder·bänke stehen in einem Park.
Ich setze mich auf eine Plauder·bank?
Dann heisst das: Ich möchte mit jemandem reden.
In diesen Städten gibt es Plauder·bänke:

  • London
  • Stockholm
  • Zürich
  • Chur

Vielleicht hast Du noch andere Kontakte?
Ein Nachbar oder eine Nachbarin?
Versuche mit Menschen zu reden.
Das tut gut.

Ein Strichmännchen trägt einen Rucksack und wandert. In der Hand hält es einen Wanderstock.

Wandern auf Rezept

Der englische Arzt Michael Dixon ist berühmt geworden.
Er verschreibt den Leuten zum Beispiel wandern.
Sie sollen sich einer Wandergruppe anschliessen.
Oder sie sollen einen Tanzkurs machen.

Zuerst hat man den Arzt ausgelacht.
Dann hat er gezeigt, dass seine Patienten weniger ins Spital müssen.
Und er hat gezeigt, dass seine Patienten auch weniger oft zu ihm kommen.
Das spart Kosten.

Seit 5 Jahren machen das die anderen Ärzte in England auch.
Auch andere Länder machen das:

  • Dänemark
  • die Niederlande
  • Österreich
  • die USA
  • Kanada
  • Japan
  • Australien

Und die Schweiz?
Die Stadt Zürich hat ein Pilotprojekt geplant.
Im nächsten Jahr soll es losgehen.
Das Projekt kostet 2 ½ Millionen Franken.

Ein Tischtennisschläger mit einem Ball. Ein Männchen, das Gymnastik macht.

Sport

Bewegung tut gut.
Bewegung mit anderen ist noch besser.
Bei Procap gibt es auch Sport·angebote:
Procap Sport

Ein Fussball. Eine Trompete. Ein Volleyball.

Vereine

In der Schweiz gibt es sehr viele Vereine.
Hier findest du einen Verein in Deiner Nähe:
Liste mit Vereinen

Mehrere Hände berühren sich mit den Fingerspitzen. Sie bilden einen Kreis.

Freiwilligen·arbeit

Hast Du Lust freiwillig irgendwo mit·zu·helfen?
Zum Beispiel in der Natur?
Pro Natura

Vielleicht gibt es ein Fest in Deinem Dorf?
Da braucht es viele Helfer.

Oder manche Bauern suchen Hilfe für die Ernte.
Du könntest in Deiner Nähe nach·fragen.

Hast Du einen Tipp gegen Einsamkeit?

Autorin

Irene Stieger

Quellen

Die Informationen kommen aus diesen Original-Texten in Standard-Sprache in:

NZZ, Sie sind nicht allein! Warum Einsamkeit auch junge Menschen krank macht und man sich dafür nicht schämen sollte, 28.09.2024

Die Plauderkasse, Das Projekt, abgerufen am 21.11.2024

Pro Mente Sana, Dossier Einsamkeit, abgerufen am 21.11.2024

Pro Senectute, Einsamkeit im Alter, abgerufen am 21.11.2024